Im Osten geht die Sonne auf. Nicht.

Japanische Rollenspiele sind the evil. Das schlimmste vorstellbare Genre, abgesehen von Fußballsimulationen. Und bis vor einiger Zeit gab es auch nur ein einziges JRPG (hach, ich liebe diese Abkürzungen) was ich gerne gespielt und dazu auch noch durchgespielt habe: Mystic Quest für den alten Gameboy. Wahrscheinlich lag es daran, dass es A) mein erstes JRPG war und B)… ich war jung und unerfahren. Und ja, ich weiß das Mystic Quest kein klassisches JRPG ist, da keine Runde und so, aber das ist mir egal – mein Eintrag, meine Regeln. Ansonsten konnte ich mit diesem Genre nie wirklich etwas anfangen. Die Story war meistens für den Allerwertesten, die Charaktere unerträglich und außerdem bestanden die meisten Spiele zur Gänze aus bockschweren Zufallskämpfen die nur durch belanglose Gespräche in noch belangloseren und generischen Dörfern unterbrochen wurden. Kam man dann irgendwann beim Boss des Dungeons an, musste man feststellen, dass jener nur durch stundenlanges Leveln zu bezwingen war und nicht etwas durch eine bestimmte Taktik. Spieldesign from hell. Kein Wunder, dass ich jahrelang den westlichen PC-Rollenspielen die Treue gehalten habe. Und auch, trotz das sich das mittlerweile geändert hat (oh, jetzt habe die völlig unvorhersehbare Wendung des Textes schon vorweggenommen…), bin ich immer noch felsenfest davon überzeugt, dass Japaner einfach nicht in der Lage sind, ein sehr gut ausbalanciertes Rollenspiel wie Icewind Dale auf die Beine zu stellen. Versteht mich nicht falsch, ich möchte damit nicht sagen das JRPGs nicht balanciert sind, sie… okay, sie sind es nicht. Stundenlanges Grinden ist in Final Fantasy genauso sinnlos wie Word Of Warcraft – weder bringt es die Geschichte voran noch ist es eine Herausforderung. Es ist einfach nur stupide und dehnt die Spielzeit aus, so dass man dann behaupten kann, das eigene Spiel hat mehrere hundert Stunden Spielspaß zu bieten.
Und dann habe ich mir aus irgendeinem Grund im Februar dieses Jahres plötzlich Lost Odyssey aus der Videothek ausgeliehen. Wenn ich es mir recht überlege, war glaube ich Eurogamer daran schuld. Dieses Review hatte mich mit Aussagen wie:
„- but it also contains moments of unparalleled magnificence. Many of those moments are contained within the Shigematsu short stories. These dreams add so much more depth and emotional resonance to the main storyline even if, like me, you’re so stone-hearted that you fail to cry while reading any of them.”
auf den Titel neugierig gemacht. So RICHTIG erklären kann ich mir das zwar bis heute immer noch nicht, aber im Endeffekt spielt es auch keine so große Rolle. Auf jeden Fall habe ich LO dann gespielt und nach ein paar Stunden war ich tatsächlich davon angetan. Ich mochte den Stil des Spiels, die Charaktere (allen voran Hauptcharakter Kaim) und nicht einmal die Zufallskämpfe haben mich wirklich gestört. Und nach der ersten der Kurzgeschichten war es dann ganz um mich geschehen: Diese literarisch durchaus bemerkenswerten Storys sind so wunderbar präsentiert, mit sanften Animationen und fantastischer Musik – großartig. LO wurde vor allem dafür kritisiert, dass es eigentlich ein ganz traditionelles JRPG ist – Zufallskämpfe, keine Einflussmöglichkeiten, Gameplay und Handlung sind total voneinander getrennt. Alles richtig, trotzdem hat es mir Spaß gemacht, sogar mehr als das ursprünglich von mir so herbeigesehnte Mass Effect. Und das lag zum großen Teil an der wirklich erstklassigen Erzählweise und den sehr lebendigen Charakteren, auch wenn sie auf den ersten Blick aus dem Klonlabor für japanische Rollenspielcharaktere zu kommen scheinen.
Allerdings scheint LO ein, zumindest für mich, Einzelphänomen zu sein. Ich habe mich letztens an Eternal Sonata gewagt und nach kurzer Zeit wieder mit Grausen abgewendet – superduperknuddelsüße Charaktere mit Klamotten direkt aus der Hölle des schlechten Geschmacks und ein nicht enden wollendes Intro. Auch kommt das Spiel nicht in Fahrt, es passiert zu lange einfach überhaupt nichts interessantes. Schnarch…
Mal schauen, ich werde in Zukunft sicherlich den einen oder anderen Titel einmal ausprobieren, aber ich denke, dass JRPGs und ich nie so richtige Freunde werden.

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3 Antworten to “Im Osten geht die Sonne auf. Nicht.”

  1. Heute sind JRPGs aber auch wirklich nicht mehr das was es mal war, zur SNES und PSX Zeit.
    Mittlerweile habe ich das Gefühl JRPGs werden von JRPG’lern für JRPG’ler gemacht und damit seinen Charme verloren. Ausserdem sind die Spiele heute irgendwie in irgendwie in ihrer Tradition gefangen. Ich vermute mal das liegt daran, das die 2 Schirmherren Square und Enix nicht mehr konkurrieren. Ich hab schon immer Enix RPGs mehr gemocht als Squares (bis auf FF7, aber das ist eine eigene Story)

  2. Witzig … Ich musste nie in irgend einem Final Fantasy Teil grinden um vorwärts zu kommen, die Story fand ich dabei immer sehr ansprechend. Und naja … Icewind Dale ein Rollenspiel? Das is eher n Taktiktitel. Wenn schon, dann bitte Baldurs Gate oder Fallout hernehmen 😉

    Geschmäcker sind wohl doch sehr verschieden.

  3. Du solltest wirklich dran arbeiten, den normativen Anspruch in deinen Aussagen wegzubekommen. Klar, dein Blog – deine Regeln. Mit dieser „So isses“-Einstellung aber wirkst du höchstens arrogant und ignorant und keiner weise wissend. Und Menschen, die ihre Meinung als Fakt postulieren werden im Leben generell nicht besonders ernst genommen.

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